Energiewende mit Christoph Podewils

Viel aktueller hätte die Debatte nicht sein können. Einen Tag bevor Ibbenbürens Stadtwerkekunden per Brief erfuhren, dass der Strom zum 15. Juni um 49 Prozent teurer wird (Tarif: TE-Strom), las Christoph Podewils aus seinem Buch „Deutschland unter Strom“. Mit einer interessanten Erklärung, wer gerade besonders am Strompreis-Plus profitiert.

Die Ibbenbürener Grünen hatten in ihr „Green Office“ eingeladen. Maik Wennemer, grünes Kreistagsmitglied aus Ibbenbüren, freute sich über einen gut gefüllten Saal. Besonders begrüßte er die Landtagskandidatin Silke Wellmeier aus Brochterbeck. Der Buchladen „Am Posthof“ beteiligte sich an der Veranstaltung mit einem Büchertisch.

Podewils, der in Ibbenbüren aufgewachsen ist und seit mehr als 20 Jahren in Berlin lebt, ist Mitherausgeber mehrerer Energiewende-Studien der Denkfabrik Agora Energiewende und leitet seit 2021 die Kommunikation für die Global Solutions Initiative, ein Thinktank-Netzwerk.

Aktuell, erklärte er, steigen die Preise an den Strombörsen wegen der Ukraine-Krise und der Engpässe auf dem Gas- und Kohlemarkt. „Aber es profitieren auch die Betreiber von Windrädern oder Solaranlagen“, sagt er. Bei gleichen Kosten nehmen auch sie die höheren Preise mit.

Ansonsten drehte sich der Vortrag des Geografen und gelernten Journalisten um die Chancen einer Gesellschaft, die ihre Energie fast komplett in Form von Elektrizität bezieht. Benzinmotoren, erklärte er, erreichten bestenfalls eine Effizienz von 30 bis 35 Prozent. Der Rest sei Abwärme. Elektromotoren kommen auf über 90 Prozent. Ein klarer Vorteil.

Podewils selbst betreibt mehrere Solaranlagen und sieht in ihnen – neben Windkraft – nicht nur aufgrund des Klimaschutzes die Zukunft der Energieversorgung. Die nötigen Module würden immer billiger und effektiver. Auch die Ausrichtung nach Osten und Westen wird dadurch immer interessanter. In seinen Augen machen auch Solarfelder Sinn, wo unter den Solarmodulen Landwirtschaft betrieben werden könne: „Einige Pflanzen gedeihen sogar besser, wenn sie weniger Sonne ausgesetzt werden, beispielsweise Beerenobst und Kartoffeln.“

Den Einwand des Grünen Georg-Friedrich Becker, dass schon mehr als genug Flächen zugebaut würden, ließ er nicht gelten: „Wir nehmen das optisch so wahr.“ Aber diese Flächen seien nicht versiegelt. Für die Natur müsse ein Solarfeld kein Nachteil sein, wie Studien und Erfahrungen im Ausland zeigten.

In der Diskussion wurde deutlich, wie fatal sich die Abhängigkeit von importierter fossiler Energie aktuell auswirke. Wäre die Energiewende weiter fortgeschritten, hätte diese Situation vermieden werden können.

Podewils zeichnete ein optimistisches Bild von der Elektrifizierung der Welt. Dies sei die Voraussetzung, um die Klimaziele zu erreichen. Dazu gehöre aber auch Stromsparen. „Einen Sportwagen, der in acht Sekunden mit Strom von 0 auf 200 beschleunigt“, meinte er, „braucht man nicht.“