Was bewegt Ibbenbüren und wie geht es dabei den Menschen und Firmen?

Collage des Besuchs von Birgit Neyer

Die Landratskandidatin der Grünen, Birgit Neyer, wollte es wissen.

Auf Einladung des Ortsverbandes der Grünen Ibbenbüren machte sie sich an verschiedenen Stationen kundig. Zuerst besuchte sie die Firma MBH in Uffeln.

Wie bewältigt eine inhabergeführte Firma mit 250 Mitarbeitern die Coronakrise? Der Geschäftsführer der Firma für Maschinenbau und Blechverarbeitung, Björn Hassink, bedankte sich zunächst bei Birgit Neyer in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der WESt mbh für die gute Information und Begleitung der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt durch die Krise. Bei MBH hat man sich auf Corona eingestellt: die Arbeitszeiten verändert, das Bistro geschlossen und viele Mitarbeiter im Homeoffice. Weil die Firma schon lange familienfreundlich ausgerichtet ist, fiel die Entscheidung für weitere Homeoffice-Plätze nicht schwer. Es wurde aber schon nach wenigen Wochen das soziale Miteinander schmerzlich vermisst. Insgesamt ist das Unternehmen dank der Vielfalt der Branchen, für die es produziert, bislang gut durch die Krise gekommen. Aber natürlich wurden auch hier Aufträge verschoben oder storniert, der erwartete Zuwachs blieb zunächst aus. Jetzt beobachte man gespannt, wie sich die Auftragslage entwickle.

Beim Betriebsrundgang zeigte sich Birgit Neyer beeindruckt von den unterschiedlichen Aufträgen und Anforderungen sowie dem High-Tech-Equipment in den weitläufigen Werkhallen. Im anschließenden Gespräch würdigte sie die hohe Ausbildungsbereitschaft von MBH. Zurzeit sind es 37 Azubis in drei Berufsgruppen. Björn Hassink und Heike Hassink-Lah brachten im Austausch mit Birgit Neyer die zum Teil schwierigen Rahmenbedingungen des Mittelstandes zur Sprache. Insbesondere der hohe Preisdruck durch ausländische Mitbewerber, ungleiche und komplizierte Förderbedingungen sowie fehlende Flexibilität in der Leiharbeit erschwerten die Wettbewerbsfähigkeit. Besonders wichtig war es Björn Hassink die Bedeutung des Mittelstandes. Tragende Säule der Wirtschaft seien eben mittelständische Betriebe und nicht die Großindustrie. Er wünsche sich von der Politik eine ausgewogenere und effektive Mittelstandsförderung. Hier stieß er bei Birgit Neyer auf offene Ohren.

Mit einem ganz anderen Thema, aber doch nah an ihrer jetzigen Tätigkeit, setzte Birgit Neyer ihre Gespräche in Laggenbeck fort. Hier traf sie sich mit zehn Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen die K24 am Kümperweg an der geplanten Trasse. Die wirtschaftliche Notwendigkeit dieser Straße wird von der BI infrage gestellt. Eine Straße, die in den Grundzügen vor fast 30 Jahren geplant wurde, sei heute unter Naturschutz- und Klimaaspekten nicht mehr zeitgemäß. Eine Überprüfung der Planung wäre eine wichtige Aufgabe für die neue Landrätin, bestätigte Birgit Neyer. Sie war dankbar für die Gelegenheit, persönlich einen Eindruck von diesem überdimensionierten Eingriff in die Natur zu bekommen.

Auch die Bürgerinitiative gegen Tiermastställe stellte Birgit Neyer ihre Position vor. Sie wolle nicht als Gegner landwirtschaftlicher Arbeit wahrgenommen werden. Vielmehr gehe es um eine andere Form der Tierhaltung, die mit Umwelt und Nachbarschaft im Einklang steht. Die Vertreter der BI wünschten sich sowohl vom Kreis Steinfurt als auch von der Stadt Ibbenbüren, als Gesprächspartner akzeptiert zu werden. Ziel sei ein gerechtes Verfahren. Der Rückzug auf Gesetzestexte dürfe nicht zu einer Verweigerung von Gesprächen führen. Ziel aller Beteiligten müsse es doch sein, einen Konsens vor Ort anzustreben. Birgit Neyer betonte, dass es mit ihr als Landrätin eine andere, faire Gesprächskultur geben werde.

Letzte Station war die Honigfabrik in Ibbenbüren, wo Kulturschaffende auf die grüne Landratskandidatin warteten. Auch hier ging es zunächst um die Bewältigung der Coronakrise. Selbständige Künstler haben oft keine oder nur geringe Reserven, da geht es schnell um die Existenz. Das Figurentheater von Chris Hesse hat keine digitalen Auftrittsmöglichkeiten, und auch die Rabatz-Theaterwerkstatt für Kinder und Jugendliche lebt von der direkten Begegnung und direkter Interaktion. Robert Rickert, Gründer und Leiter der Theaterwerkstatt: „Die Kinder sind die Verlierer, wenn sie nicht mehr an Kultur teilnehmen können.“ Die kulturelle Arbeit in Ibbenbüren ist überwiegend ehrenamtlich oder semiprofessionell und bekommt wenig Unterstützung durch Kreis oder Stadt. Für Birgit Neyer als Wirtschaftsförderin ist eine lebendige Kulturszene ein wichtiger sogenannter „weicher Standortfaktor“ für Betriebsansiedlungen. Sie betonte, dass Kultur zwar Freiräume brauche, aber auch Wertschätzung und natürlich Geld. Die Stadt schaffe die Plattform für kulturelle Angebote, aber der Kreis Steinfurt könne hier eine Bündelungsfunktion übernehmen. Alle Beteiligten begrüßten die Idee einer „Kulturkonferenz“ für Ibbenbüren. Analog zu anderen Beiratsgremien der Stadt könnte dies eine Begegnungs- und Austauschmöglichkeit für Ideen, Kooperation und Vernetzung sein.

Am Ende dieser spannenden Reise durch Ibbenbüren fasste Birgit Neyer ihre Eindrücke zusammen:

„Die Welt befindet sich in einem rasanten Wandel. Ich habe heute in Ibbenbüren einen Teil der vielen Veränderungsprozesse kennengelernt und viel Engagement erlebt. Ich will dies zusammen mit all den verschiedenen Akteuren als Chance nutzen und gemeinsam gestalten. Mein Ziel ist ein besseres Miteinander.“

Fotos: Franz-Josef Gude Text: Gudula Benning